Und dann war die Brille kaputt

Als ich gestern in den Kindergarten kam zum abholen, hat mein Sohn mich erst gar nicht bemerkt. Ist auch gar nicht schlimm. Wenn wir es nicht gerade eilig haben, was selten vorkommt, dann dränge ich ihn nicht, sondern setze mich einfach auf die Bank oder den großen Baumstamm und warte.

So auch gestern. Als er mich dann bemerkte, rief er „Oh, meine Mama ist da!“, kam auf mich zu und sagte „Mama, meine Brille ist kaputt!“

Ich hatte sofort mit dem allerschlimmsten gerechnet – Gläser kaputt – und fragte entsetzt „Wie, kaputt?!“

Er drückte mir dann seine mit Tesa geflickte Brille in die Hand und erzählte dass sein Freund den Bügel abgebrochen hat und einer der Erzieher es dann notdürftig geflickt hätte. Ich nahm die Brille dann auseinander um mir den Schaden genauer anzusehen. Das Gelenk war gebrochen. Ob man das einfach wieder reparieren konnte wusste ich nicht. Der Optiker war gefragt.

 

Zuvor wartete ich aber noch auf die Mutter der anderen Kindes. Auch wenn es mir unangenehm ist, er hat sie kaputt gemacht und darüber muss man reden. Blöde Situation. Ich sprach sie dann an und zeigte ihr die Brille und sie war ziemlich geschockt, entschuldigte sich mehrmals, auch im Namen ihres Sohnes. Ich solle mich melden wenn ich beim Optiker war, sie würde dass dann ihrer Haftpflichtversicherung melden und den Schaden bezahlen.

Ihr Sohn hatte wohl ziemliches Muffensausen. Der Butscher berichtete dass er ihn gebeten hat es mir erst zu hause zu sagen. Was er zum Glück nicht gemacht hat. Ich war auch nicht böse. Ich habe weder das eine oder das andere Kind geschimpft und auch nicht irgendwie böse angeraunzt. Wieso sollte ich auch? Es sind Kinder. Und auch der Mutter gegenüber war ich nicht böse. Klar ist das jetzt blöd gelaufen und für den Butscher bei seinen Sehwerten nicht gerade toll, aber es lässt sich alles regeln! Auch wenn ich zu dem Zeitpunkt noch absolut nicht wusste in welchem Rahmen sich das ganze bewegt, war ich recht entspannt. Hatte ich doch viel früher mit einer kaputten Brille gerechnet und vor allem damit, dass mein Sohn sie selbst zerlegt!

Allerdings hatte ich auch nicht damit gerechnet dass der Bügel hin ist. Ich hatte damit gerechnet dass die Gläser kaputt gehen oder das Gestell an sich bricht durch irgendwas. Das Gestell ist ein extra „Play“-Gestell mit überdehnbaren Bügeln, also man kann sie nach außen wegbiegen ohne das was passiert. Da muss man schon mit Schmackes ran und das kaputt zu machen. Daher war und bin ich wirklich neugierig wie es passiert ist. Leider haben wir das aus beiden Kindern nicht so recht raus bekommen.

Da ich Nachmittags einen Arzttermin hatte und dort ein Apollo in der Nähe ist, bin ich nach dem Termin direkt dort hin und zeigte die Brille. Ich muss dazu sagen, dass wir die Brille versichert haben. Bei 140 EUR wert kostet dies einmalig 20 EUR. Und wenn man die Versicherung nicht nutzt, bekommt man nach zwei Jahren einen Gutschein über diesen Wert. Also praktisch kein Geld verloren.

Die Optikerin sah sich den Schaden an und meinte zum reparieren müsste sie das Gestell einsenden. Dann hätte der Butscher ca. 14 Tage keine Brille. Absolute Katastrophe. Da er abklebt braucht er seine Brille. Denn ohne Brille ist das abkleben sinnlos. Sie wollte dann noch schauen ob sie das Gestell eventuell da hat und dann einfach das komplette Gestell tauschen kann. Sie kam dann wieder und meinte wir hätten Glück. Sie hätte das selbe Gestell da und es wäre rabattiert, wir müssten dann nur 35 EUR für das neue Gestell bezahlen und die Versicherung gar nicht nutzen. Da bei der Versicherung eine Eigenbeteiligung fällig ist, lohnt sich das bei solch geringen Beträgen nicht.

Der Schock kam dann 5 Minuten später, als sie Probleme hatte die Rechnung zu drucken. Sie besprach sich mit einer Kollegin und kam dann zu uns „Entschuldigen Sie, ich habe ihnen leider etwas falsches erzählt. Das Gestell ist nicht rabattiert. Es würde dann 70 EUR kosten.“

Uff. 70 EUR. Gleich mal das doppelte. Genau das was wir damals bezahlt haben für das Gestell. Viel Geld. Die Optikerin verstand mich und bot direkt an dass es dann doch sinnvoller wäre über die Versicherung eine komplett neue Brille zu bestellen und sie würde dann für die Übergangszeit das Gelenk mit einem Spezialkleber kleben. Es würde instabil sein, weil die Feder fehlt und er dürfte damit nicht so wild toben. Aber er könnte sie tragen. Sie rechnete das ganze mit der Versicherung durch.

Ergebnis: 30,09 EUR für eine neue Brille plus 20 EUR damit die neue Brille wieder versichert ist. Ich fragte dann noch, was es gekostet hätte die Brille einzusenden zum reparieren: 30-35 EUR. Also albern, wenn wir über die Versicherung fürs selbe Geld eine neue Brille bekommen.

Die Brille wurde bestellt. Die alte geklebt. Sie meinte dann es wackelt zwar ziemlich, aber es geht und sollte halten bis die neue fertig ist. Sie habe auf dem Auftrag vermerkt dass wir sofort angerufen werden wenn sie fertig ist.

Zuhause habe ich dann natürlich die andere Mama angerufen, ihr die Neuigkeiten mitgeteilt und auch ausführlich erklärt warum wir uns wie entschieden haben. Sie hat sich noch einmal überschwänglich entschuldigt und gemeint dass sie sich schon Gedanken gemacht hat weil sie ja weiß dass der Butscher seine Brille nicht zum Spaß hat. Das war mir fast unangenehm. Klar haben wir jetzt den Aufwand mit der Brille. Aber es hätte auch anders kommen können. Die Kinder sind beide noch heil. Der Butscher hat zwar gesagt, er hat sich an dem Metallgelenk gepiekt, aber zum Glück nicht schlimm und man sieht auch nichts mehr. Wenn sich ein riesiger Kratzer übers ganze Gesicht gezogen hätte oder einer von beiden den Bügel im Auge gehabt hätte.. man weiß ja nie. Kann alles vorkommen! Von daher: Es ist ja „nur“ die Brille.

Und zum Glück hatten wir die Versicherung. Denn ohne hätten wir die komplett selbst zahlen müssen, was heißt ich hätte der Frau eine dreistellige Rechnung geben müssen :-/ Oder wir hätten erst zum Augenarzt eiern müssen für ein neues Rezept. Und selbst mit Rezept wäre die Summe noch dreistellig geworden. Denn die Krankenkasse zahlt auch bei Kindern so gut wie nichts. Es ist absolut lächerlich. Mich ärgert das wirklich sehr. Es ist ja nicht so dass er nur ein bisschen schlecht sieht und auch ohne Brille sein könnte.

Auch dass wir bei Apollo gelandet sind, war rückblickend die richtige Entscheidung. Die erste Brille war von Fielmann und dort fand ich mich nicht gerade gut beraten. Vor allem hat man dort, zumindest in den Bremer Filialen, immer das Gefühl zu stören und nicht willkommen zu sein. Bei Apollo hat man uns sowohl beim Kauf als auch jetzt mit dem kaputten Gestell ausführlich beraten und ich denke wir haben den besten Weg gefunden.

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